Das Musical Schuh des Manitu 

Ein Bericht von Thomas Zwirner (Webmaster Comedy-News.de)

Wie könnte man die Szene mit dem Marterpfahl auf der Bühne umsetzen? Wie die Fahrt durch die Tunnel im Berg? Wie bringt man Pferde auf die Bühne? Wie geht man mit Doppelrollen um? Fragen die sich mancher Besucher des Musicals vor Beginn noch stellen konnte. Die Umsetzung des Filmerfolgs Schuh des Manitu aus dem Jahr 2001 als Musical zeigt jedoch, dass durchaus alles möglich ist. Sogar der Ausbau einiger Stellen der Story.

Anfang Dezember 2008 erhielt ich eine E-Mail von der Leiterin des Bully Fan Clubs, dass sie das Angebot über 50 Freikarten erhalten habe. Nach anfänglichen Zögern wegen der Entfernung nach Berlin wollte ich mir dieses Event dennoch nicht entgehen lassen und schlug zu. Zusammen mit 4 Freunden fuhr ich am 20. Dezember zur Nachmittagsvorstellung im Theater des Westens in Berlin. Dort wurden wir sofort von einem Vertreter des Vertriebs des Musicals begrüßt. Dieser war ebenso wie das Personal während der gesamten Vorstellung überaus freundlich und zuvorkommend. Das Theater des Westens ist ein sehr schön gestaltetes Theater, dass sich relativ nahtlos an die Aufführung eines Indianer-Stücks anpassen ließ.

Die Vorstellung begann sehr pünktlich mit einer kleinen Überraschung: anders als im Film wurde um das Stück herum die Story von Abahachi und Ranger im hohen Alter gelegt. Beide grau, der eine mit Bart, der andere humpelnd, sprachen über die Vergangenheit, erinnerten sich an ihr Abenteuer rund um den Schuh des Manitu. Ein Moment in dem die Zuschauer auch die Bühne genauer in Augenschein nehmen konnten: oberhalb der Bühne saß ein Live-Orchester - etwas was man bei Musicals recht selten findet. Rechts oben saß während der ganzen Show sichtbar begeistert der Tonmeister. Die Bühne selbst teilte sich in 2 Teile: der große vordere mit mehreren Hebebühnen, der kleine hintere Teil besaß (scheinbar) eine Treppe, ein Laufband und (das Highlight aus meiner Sicht) eine hochmoderne Leinwand die über die gesamte Höhe und Breite verlief auf der während des gesamten Films zu der jeweiligen Szene passende Sequenzen eingeblendet wurden.

Die nächste Szene nach dem alten Abahachi und Ranger zeigte (in deren Erinnerungen) das Tal im dem die "Schoschonen schön Wohnen". Hier bekam man einige sehr schöne Lieder angelehnt an den modernen Tourismus zu hören. Kleinere Elemente aus dem Film wie die ältere Dame mit Gehhilfe wurden ebenfalls eingebaut, selbst die indianischen Texte wurden per über der Bühne angebrachte Untertitel übersetzt.

In diesen Tumult zwischen den singenden Indianern stolperten die jungen Abahachi und Ranger auf die Bühne. Sie versuchten wie im Film den Indianern zu erklären, weshalb sie Gold brauchten - und die Indianer stimmten nach anfänglichen Zögern zu. Die nächste Szene stellte dann die "Bandidaten" vor. Allen voran Santa Maria, der Sky Dumont aus dem Film sehr sehr ähnlich sah. Abahachi und Ranger trafen an dem Lokal auf die Banditen und übergaben das Gold. Dass sich das lokal als Ente herausstellte wurde auch wieder wie im Film mit einer effektvoll umfallenden Holzwand dargestellt.

Im nächsten Moment wurde auch schon Falscher Hase erschossen - aber nicht einfach nur erschossen wie im Film. Nein, im Musical flehte er sehenswert das Publikum an ihm zu sagen wie er sterben sollte: lang oder kurz. Dies war eine der Szenen die das Musical vom Film unterscheiden und sehr sehenswert machen.

Anders als im Film war in der Szene zudem der Häuptling Listiger Lurch mit seinen Anhängern dabei und nahmen Abahachi und Ranger fest. Der Marterpfahl wurde auf die Bühne gefahren, die beiden daran festgebunden. Wie auch im Film konnten sich die beiden in der Nacht befreien. Sogar die Tiergeräusche aus dem Film mit denen Ranger Abahachi wecken möchte wurden eingespielt. Allerdings fällt bei der Flucht nicht der Marterpfahl um, weshalb Echter Hase von Ranger mit einem Fußtritt getötet wird.

Die Indianer gruben natürlich sofort den Klappstuhl aus (per Hebebühne) und holten das einzige Pferd des Stammes auf die Bühne. Die im Hintergrund befindliche Leinwand wurde ebenso wie im Film während der beginnenden Verfolgungsjagd dreigeteilt. Die Darsteller ritten jeweils vor der Leinwand auf ihren Pferden dem Publikum entgegen. Die Pferde bestanden übrigens (um die Frage vom Anfang zu beantworten) aus einem Pferdekopf und einer Halterung.

Der Besuch bei Winnetouch verlief wiederum etwas anders als im Film. Im Musical hat er schön anzusehende Gehilfinnen die ihn in der Puderrosa Ranch zur Seite stehen. Abahachi und Ranger wurden natürlich mit einem Cocktail begrüßt, welchen sie lautstark zusammen tranken. Wiederum anders als im Film wurde Winnetouch nicht vor der Puderrosa Ranch zum Indianer ausgebildet. Nein, sie besuchten eine Art Friedhof (sehr düstere Szene) auf dem sie ihren Großvater Grauer Star besuchten. Dieser wurde als Elvis-Verschnitt dargestellt, ein "Star" eben.

Nachdem sich die 3 Brüder getrennt hatten ritten sie jeweils zu ihren Zielen (Uschi und Dimitri) während Winnetouch recht schnell von den Ganoven überwältigt wurde. Winnetouch ließ es sich daraufhin auf der Puderrosa Ranch mit Hombre, dem "lebenden Aschenbecher" von Santa Maria, gut gehen. Sie badeten zusammen, Hombre erhielt eine Gurkenmaske. Besonders sehenswert war als beide nur mit einem Slip bekleidet dem Bad entstiegen und sich zur ersten Reihe des Publikums begaben. Hombre schnappte sich sogar eine Zuschauerin aus der ersten Reihe und tanzte mit ihr - halb nackt.

Vor dieser Szene jedoch traf Ranger auf Uschi - wie im Film eine Sängerin in einem Pub die jedoch mit ihm nicht ins Hinterzimmer verschwindet sondern die Banditen bereits im Salon sitzen hat. Eine wilde Schlägerei begann die von den Darstellern größtenteils sehr gut umgesetzt wurde (abgesehen von einigen kurzen Momenten des Zögerns vor einem angedeuteten Fußtritt).

Abahachi traf inzwischen in einem anderen Salon auf Dimitri, welcher das Lied des Abends anstimmte: "Ich trink Uzoooo und was tust du sooo" - hier zeigte sich, dass das Publikum vollends aufgewärmt war und feiernd mitklatschte. Der stilechte Karl-Heinz Mayer alias Karl May war natürlich auch anwesend und erhielt von Abahachi nebenbei einige Literaturtipps.

Auf dem Weg zurück zur Puderrosa Ranch starb wie im Film der Esel Apollo XIII., welcher jedoch anders als im Film auf einem Friedhof beigesetzt wurde. Die Grabsteine fuhren auf dem Laufband durch: Apollo XII, Apollo XI usw. Recht unspektakulär war in dem Moment die Festnahme von Abahachi durch die Banditen.

Auf der Puderrosa Ranch trafen nun Abahachi, Ranger und Winnetouch mit den Banditen zusammen. Die Karte auf dem Rücken von Uschi war für mich als Zuschauer leider kaum zu erkennen. Das dort ein Schuh abgebildet ist ließ sich für einen Kenner des Films vielleicht erkennen. Die Banditen wussten nun wo sie nach dem Schatz suchen müssten: sie ritten am Stöckelschuh und Schlittschuh des Manitu vorbei und wurden dann fast vom Schuh des Manitu zertreten, welcher sprichwörtlich als überdimensionaler Schuh auf die Bühne trat.

Die Umsetzung der Höhle geschah nach einem kompletten Bühnenumbau während dem Dimitri durch die ersten Reihen des Publikums jagte. Die Dunkelheit der Höhle wurde durch leuchtende Augen auf der dunklen Bühne deutlich. Die 2 Wache haltenden Indianer aus dem Film wie auch das Gerippe fehlte im Musical komplett. Dafür wurde das Publikum mit einem herrlichen Lied von Uschi belohnt, auch das Lebkuchenherz bekam ein eigenes Lied während dem einige Statisten mit Lebkuchenkostümen auf die Bühne kamen ("Ich hasse mein Kostüm" oder "Ich trage nichts drunter" stand drauf). Die Fahrt durch die Höhle wurde sehenswert mit einem wackelnden Wagen und vielen blinkenden Lichtern und Explosionen umgesetzt. In dem Moment bracht sogar ein Teil der Bühne zusammen, was aber gewollt war.

Nach Ende der Fahrt wurden die Schoschonen recht schnell über die eigentlichen Übeltäter aufgeklärt. Das Ende des Musicals zeigte Abahachi und Ranger wie sie erst der Leinwand im Hintergrund entgegen und dann auf der Leindwand selbst dem Sonnenuntergang entgegen ritten. Alle Statisten und Darsteller versammelten sich dazu auf der Bühne und schauten ihnen zusammen mit dem Publikum hinterher. Im Film gab es nach dieser Szene noch nach dem Abspann eine Szene in der Winnetouch mit Jaqueline ebenfalls wegreitet - diese wurde im Musical mitten in den Film eingebaut.

Insgesamt ist das Musical für Fans des Films sehr sehenswert. Die Umsetzung ist nahezu perfekt, es kommt auf Grund der kleinen, aber feinen Unterschiede zum Film nie Langeweile auf. Die Darsteller sind erstklassig gewählt, man erkennt bei den meisten die Ähnlichkeit zu den Schauspielern aus dem Film. Auch jemand, der den Film nicht kennt, sollte bei diesem Musical auf seine Kosten kommen. Leider sind die Eintrittspreise von 40 bis 104 Euro doch etwas happig in der heutigen Zeit. Für das Programmheft muss man 5 Euro zusätzlich bezahlen. Die Vorstellung in der ich anwesend war, war dennoch nahezu ausverkauft.

Karten gibt es bei Stage Entertainment.

PS: sorry, dass keine Bilder dabei sind. Fotografieren wie Filmen ist während der Vorstellung nicht gestattet.

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Die Darsteller:

Figur

Darsteller Musical

Darsteller Film

Abahachi

Mathias Schlung

Michael Bully Herbig

Ranger

Mark Seibert

Christian Tramitz

Winnetouch

Veit Schäfermeier

Michael Bully Herbig

Uschi

Michelle Splietelhof

Marie Bäumer

Dimitri

Detlef Leistenschneider

Rick Kavanian

Santa Maria

Ingo Brosch

Sky du Mont

Hombre

Peter Kaempfe

Hilmi Sözer

Listiger Lurch

Eric Minsk

Irshad Panjatan

Falscher Hase

Thomas Klotz

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